Orson Scott Card – Ender’s Game

Well, what do you know? Immer wieder mal liest man ein Buch – oft ganz am Anfang eines neuen Jahres – und weiß: Das wird mein Jahreshighlight. Vielleicht sogar ein Lebenshighlight. Auch wenn das Cover sich seit den 80ern kaum verändert hat und der Klappentext etwas verwirrt. Alles ignorieren und einfach lesen!

Deutscher Titel: Das große Spiel
Erschienen: 1985
Seiten: 324 (411)
Übersetzung: Karl-Ulrich Burgdorf
Erschienen bei: Tor Science Fiction, Bastei Lübbe

Meine Bewertung: 9,5/10

Erster Satz: „I’ve watched through his eyes, I’ve listened through his ears, and I tell you he’s the one. Or at least as close as we’re going to get.“

Ender, der eigentlich Andrew Wiggin heißt, ist ein „Dritter“, also das dritte Kind eines Elternpaares. Da von der Regierung streng geregelt wird, wie viele Kinder jede Familie bekommen darf, sind Drittgeborene sehr selten, die meisten Paare haben ein, höchstens zwei Kinder. Doch die Regierung arbeitet auch an einem Programm, das Menschen spezifisch nach ihrem genetischen Material auswählt und heranzüchtet. Für seine ersten sechs Lebensjahre trägt Ender – wie seine Geschwister Peter und Valentine vor ihm – einen Chip im Nacken, der es den schattenhaften Machthabern ermöglicht, jeden seiner Schritte genau zu überwachen.

Mit sechs Jahren jedoch wird Ender für die Armee rekrutiert. Das ist in dieser Welt nichts Außergewöhnliches, bedeutet sogar Prestige für die Familie. Doch Ender wird von einem Tag auf den anderen aus seiner Familie gerissen. Seine Ankunft in der Battle School, einem Raumschiff, das hochbegabte Kinder zu Kriegsgenerälen erzieht, lässt ihm aber kaum genug Zeit, seine Schwester zu vermissen. Denn obwohl in der Galaxis ein Krieg gegen die Bugger-Aliens wütet, dreht sich hier das ganze Leben um eines: Das große Spiel.

In diesem Spiel werden zwei „Armeen“, also Gruppen von Kindern, in einem zero gravity Raum einander gegenüber gestellt. Mit speziellen Anzügen und Waffen ausgestattet gilt es nun, die jeweils gegnerische Mannschaft unschädlich zu machen und deren Pforte am anderen Ende des Raumes zu erreichen. Dass dieses Training weniger einem Paintball Match gleicht als einem Schachspiel, erschließt sich Ender schon sehr bald und er nimmt die Hürden, die ihm in den Weg gestellt werden, bravourös. Doch seine Lehrer haben Größeres mit ihm vor…
Ein Kind im Alter von sechs Jahren als Protagonist lässt vielleicht viele Menschen denken, es handle sich hier um ein Kinder- oder zumindest Jugendbuch. Nope! (Chuck Testa) Diese Kinder sind nicht nur hochbegabt und verhalten sich sehr reif für ihr Alter – ohne dabei unecht zu wirken – sondern durchlaufen den Prozess des Erwachsenwerdens eben schneller und auf völlig andere Art und Weise als wir es tun. In kurzen Zwischenkapiteln erfährt man immer wieder, was die – anfangs unbekannten – Überwacher Enders als nächstes im Sinn haben und im Laufe des Romans wird auch immer klarer, warum.

Orson Scott Card gelingt es, diesen Reifeprozess nicht nur durch Enders Handlungen zu zeigen, sondern auch durch seinen Schreibstil, der sich auf faszinierende Art weiterentwickelt. Liest sich der Anfang des Buches wirklich noch ein wenig kindlich und wirkt Enders Welt noch sehr klein, wird die Geschichte langsam immer komplexer, der Stil immer anspruchsvoller. Davon sollten sich weder Kinder noch Erwachsene abschrecken lassen. Man kann sowohl den Regeln des großen Spieles als auch den Technologien und politischen Zusammenhängen stets gut folgen.

Vor allem aber ist es die psychologische Seite des Romans, die den Hugo-Award-Gewinner zu einem herausragenden Werk macht. Ender ist etwas Besonderes, von Anfang an. Doch seine Entwicklung mitzuverfolgen ist ein Lesespaß (auch, wenn es meist nichts zu lachen gibt), der mir davor und seitdem selten begegnet ist. Hier haben wir es mit einem Buch zu tun, das ausnahmslos jeder während der Schulzeit (oder später) lesen sollte, ob nun Science Fiction drauf steht oder nicht.

PRO: Großartige Idee, sprachlich gut umgesetzt. Charaktere, mit denen man mitfiebert und ein ständig komplexer werdender Plot. Die Science Fiction Elemente sind leicht verständlich, auch für Neulinge des Genres. Perfekte Einstiegsdroge.
CON:  Macht anfangs den Eindruck, für ein jüngeres Publikum geschrieben zu sein. Nicht täuschen lassen.
FAZIT: Ohne Einschränkung empfehlenswert. Kinder, Erwachsene, Mädchen und Jungs – jeder sollte dieses Buch gelesen haben.

Folgebände: Der Roman ist in sich abgeschlossen und kann als Einzelband gelesen werden. Das Ender-Universum bietet aber noch einige Folgebände: Speaker for the Dead, Xenocide, Children of the Mind
Die Geschichte von Ender’s Game aus der Sicht eines Nebencharakters (Bean) hat ebenfalls ihre eigene Reihe.
Ender’s Game gibt es auch als Comic-Reihe und 2013 dürfen wir (endlich!) mit der Verfilmung rechnen.

Bewertung: 9,5/10

Die Serie:

  1. Ender’s Game
  2. Speaker for the Dead
  3. Xenocide
  4. Children of the Mind

Da die Ender Serie inzwischen ziemlich komplex geworden und über die ersten vier Bände hinausgewachsen ist, finde ich diese Grafik sehr nützlich, in der dargestellt wird, wie die Bücher chronologisch zueinander passen. Die Shadow-Reihe passiert parallel zu den Geschehnissen in Ender’s Game und der Fortsetzung, einige Kurzgeschichten und spätere Romane passen zwischen die Original-Serie. Von den Comics gar nicht zu sprechen…

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s