Mary Robinette Kowal – Shades of Milk and Honey

Spätestens seit Susanna Clarkes Jonathan Strange & Mr Norell wissen wir, wie gut sich das 19. Jahrhundert mit Magie vermischen lässt. Während Clarkes Protagonisten männlich waren und ihr Stil ein bisschen an Dickens erinnert hat, versucht sich Mary Robinette Kowal an einem Buch, das sie selbst als “Jane Austen with magic” bezeichnet. (Quelle: der empfehlenswerte Podcast Writing Excuses) Der Jane Austen Teil ist gelungen – vielleicht sogar etwas zu gut…

Deutscher Titel:(noch) nicht erschienen
Erschienen: Juli 2010
Seiten: 304
Erschienen bei: Tor Books

Meine Bewertung: 6,5/10

Erster Satz:The Ellsworths of Long Parkmead had the regard of their neighbours in every respect.

Jane Ellsworth ist mit ihren 28 Jahren bereits eine alte Jungfer. Ihre lange Nase und das spitze Kinn haben ihr in der Gesellschaft keinen Ruhm eingebracht, im Gegensatz zu ihrer jüngeren Schwester Melody, einer fröhlichen, etwas zu leidenschaftlichen Schönheit. Jane widmet ihre Zeit daher den schönen Künsten. Dazu gehört neben der Malerei und dem Klavierspiel auch die Magie.
In Mary Robinette Kowals England ist Magie ein natürlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Man kann damit Räume verschönern, Gemälde dazu bringen, sich zu bewegen oder eine kühlende Brise erschaffen, die einen stickigen Sommertag erträglicher macht.

Das größte Problem in diesem Roman sind die Charaktere. Kowal bringt das Kunststück fertig, wie Jane Austen zu schreiben. Ihr Stil liest sich flüssig und amüsant. Man könnte meinen, Austens siebten Roman in Händen zu halten. Leider hat sich die Autorin etwas zu sehr auf ihre große Inspirationsquelle gestützt, denn die Geschwister Jane und Melody ähneln den Dashwood Schwestern aus Sense and Sensibility für meinen Geschmack etwas zu sehr. Ebenso beruht die Handlung auf Austens beliebtestem Werk Pride and Prejudice und ist daher für jeden, der diesen Roman gelesen hat, leicht vorhersehbar. Für mich war beim Lesen von Anfang an klar, wer schlussendlich wen heiraten wird und welche Schadtaten hinter wessen Rücken getrieben werden. Das ist natürlich schade, denn der Spannungsbogen hat so gewaltig an Kraft verloren.

Die Magie kommt ebenfalls etwas kurz. Während Kowals Idee und die Umsetzung der Magie in diesem alternativen England gut sind, zeigt sie uns ein bisschen zu wenig davon. Ich habe mich beim Lesen öfter gefragt, ob etwas so Mächtiges wie Magie nicht größere Auswirkungen auf die Gesellschaft haben sollte – so könnten etwa Kühlschränke in jedem Haushalt stehen, die mit magisch erschaffener, kalter Luft gekühlt werden. Doch die Autorin lässt Magie zu einer Kunstform werden, die hauptsächlich für das Dekorieren von Räumen genutzt wird.

Während die männlichen Charaktere großartig und alle – selbst kleinere Nebencharaktere – sehr lebendig beschrieben waren, lasen sich die Damen zu sehr nach Jane Austen (ja, so etwas gibt es wirklich!). Jane und Melodys Mutter gleicht einer dezent weniger nervtötenden Mrs. Bennet, Jane und Melody selbst sind eine Mischung aus Lizzie Bennet und den Dashwood Schwestern. Erst zum Ende hin entwickeln sie ihren eigenen Kopf und verhalten sich wie eigenständige Persönlichkeiten.

Das Ende hielt noch einige positive Überraschungen bereit. Der Spannungsbogen war wieder da und ich konnte das Buch kaum mehr weglegen.
Insgesamt haben die wunderschöne Sprache und die Aussicht auf den zweiten Band mir dieses Buch doch sehr versüßt und machen es zu einem lesenswerten kleinen Ausflug in Jane Austens Welt, wo junge Damen zaubern können müssen, um hohes Ansehen zu erringen.

PRO: Liest sich wahrhaftig wie ein Jane Austen Roman.
CON: Zu wenig eigenständige Ideen, die Auswirkungen der Magie sind etwas unglaubwürdig.
FAZIT: Ein sehr schönes Buch, das vor allem zum Ende hin zeigt, dass die Autorin mehr kann als sie uns hier zeigt. Jane Austen Fans könnten es lieben oder hassen, ich bin jedenfalls höchst gespannt auf Teil 2.

Bewertung: 6,5/10

Infos zu anderen Werken sowie Neuigkeiten zu Folgebänden (vorerst nur Band 2: Glamour in Glass) findet man auf  Mary Robinette Kowals Homepage.

Die Glamourist Histories:

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