Sebastian Fitzek – Der Augenjäger

Der lang erwartete Nachfolger von Der Augensammler ist da! Obwohl beide Roman in sich geschlossen sind und einzeln gelesen werden können, baut Der Augenjäger auf seinem Vorgänger auf und verrät daher auch so ziemlich alle Geheimnisse und Plot-Twists. Wer also den ersten Teil nicht kennt (und diesen noch mit Spannung lesen will), sollte mit diesem Buch – und dem Lesen dieser Rezension – noch warten. Um den Autor zu zitieren: Ich habe Sie gewarnt…


Originaltitel: Der Augenjäger
Erschienen: 2011
Seiten: 432
Erschienen bei: Droemer Knaur

Meine Bewertung: 7,5/10

Erster Satz: Erschütternde Wende im Fall des Augensammlers – Kinder befreit. Täter gesteht. Aber das Morden geht weiter.

Seit den letzten Geschehnissen in Der Augensammler ist noch nicht viel Zeit vergangen. Das ist auch gut so, denn es lässt Alex Zorbach hoffen, seinen vermissten Sohn noch lebendig vorzufinden. Alina Goriev wird in der Zwischenzeit von der Polizei gebeten, ihre sonderbare Gabe erneut einzusetzen und einen in U-Haft sitzenden Psychopaten zu massieren. Denn durch den Körperkontakt hat sie eine Art Vision von der Zukunft und kann so der Polizei helfen, Beweise für die schrecklichen Taten dieses Arztes zu finden. Ein Augenspezialist, der seinen Opfern die Lider entfernt um sie dann grauenvoll in einem Spiegelraum zu vergewaltigen…

Sebastian Fitzek lässt seine Leser nicht lange warten. Bereits auf den ersten paar Seiten erwartet er uns mit einem Schocker der Sonderklasse, nur um dann in jedem weiteren Kapitel noch einen drauf zu legen. Während manche seiner Bücher eine gewisse Anlaufphase haben, beginnt hier die Spannung sofort und lässt bis zum Ende nicht mehr nach.
Einzig störend daran ist, dass (vor allem in der zweiten Hälfte des Romans) die aus abwechselnden Perspektiven erzählten Kapitel jedes Mal mit schlimmen Cliffhangern enden. Das tut der Spannung eher Abbruch – schließlich wird man jedes Mal, wenn man mit weit aufgerissenen Augen neue Informationen erhält, aus dem Geschehen gerissen, nur um dann zur anderen Hauptperson zu wechseln (die selbst am Ende des letzten Kapitels ganz tief in der Scheiße steckte).

Oft wirft man Fitzek (und vielen anderen Thriller-Autoren) ja einen simplen Stil vor. Es stimmt, er verwendet kurze, einfache Sätze. Seine Charaktere sprechen nicht besonders hochgestochen und die Kapitel sind kurz und knackig. Aber genau das erzeugt für mich Spannung. Man liest – zack! zack! – was mit den Charakteren passiert und wenn sich die Handlung überschlägt, bin ich dankbar, mich nicht erst durch absatzlange Beschreibungen der Tapete quälen zu müssen.
Negativ ist mir stilistisch nur Nicolas Sprache aufgefallen. Sie ist ein Teenager und redet, wie ihr der Mund gewachsen ist. Allerdings wirkte sie auf mich überzeichnet. Sie flucht für meinen Geschmack etwas zu künstlich und redet auch sonst nicht wie ein verängstigtes Mädchen.

Die Charaktere, die aus Band 1 bekannt sind, werden nicht allzu detailliert eingeführt. Sebastian Fitzek erinnert uns an die wichtigsten Dinge, ohne den Lesefluss zu stören. Die meisten Charaktere – Protagonisten eingeschlossen – bleiben sehr flach. Einzig Alina mochte ich gerne und ihre Perspektive las sich faszinierend (vielleicht auch wegen ihrer Blindheit).

Das Ende konnte imch noch richtig schockieren (Ich lese nicht viele Thriller) und obwohl ich immer noch über die Glaubwürdigkeit der Auflösung nachgrüble, hat die Idee ein unangenehmes, düsteres Gefühl in meiner Magengrube zurückgelassen. Überzeugend war auch die Charakterentwicklung ganz zum Schluss des Buches und wie Fitzek es geschafft hat, den Roman rund abzuschließen und doch noch genug Raum für einen Folgeband zu lassen.

PRO: Extrem spannend. Buch nur aufschlagen, wenn in den nächsten Stunden noch nichts anderes geplant ist!
CON: Etwas unglaubwürdige Auflösung, flache Charaktere, sprachliche Schwächen.
FAZIT: Das perfekte Buch für ein paar spannende Stunden auf der Couch. Von Marcel Reich-Ranicki wird es wohl nicht besprochen werden. 😉

BEWERTUNG: 7,5/10

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