Ally Condie – Matched

Es ist immer wieder dasselbe. Ein Autor oder eine Autorin landet einen großen Hit mit einer (vorzugsweise) Trilogie von Jugendbüchern mit Fantasy-Element und viele andere ziehen nach und laben sich am Erfolg des anderen. Wie das bei Nachmachern so oft der Fall ist, lässt die Kopie leider sehr zu wünschen übrig. Besonders auffällig ist das hier in Ally Condies Matched – einer dystopischen Liebes-Trilogie, die sich aus allem, was Erfolg hat, ein bisschen was rauspickt und so ziemlich alles falsch macht, was man nur falsch machen kann.

Deutscher Titel: Die Auswahl – Cassia & Ky
Erschienen: 2010
Seiten: 366 (452)
Übersetzt von: Stefanie Schäfer
Erschienen bei: Dutton Juvenile (Fischer Fjb)

Meine Bewertung: 1/10

Erster Satz: Now that I’ve found a way to fly, which direction should I go into the night?

Die 17-jährige Cassie erfährt bei einem grandiosen Bankett, wer ihr “match”, ihr Lebenspartner sein wird, den sie später heiraten wird. Dieser Partner wird von der Society ausgewählt und Bürger haben keinerlei Einfluss darauf, mit wem sie zusammengewürfelt werden. Das Augenmerk liegt auf genetisch und psychologisch passenden Partnern. Cassia kann ihr Glück kaum fassen als sie erfährt, dass ihr bester Freund Xander ihr “match” ist. Doch dann passiert der Society ein Fehler – auf Cassias Speicherkarte mit den Daten über ihren zukünftigen Ehemann, ist ein anderer Junge gespeichert. Der mysteriöse und stille Ky. Nun weiß Cassia nicht, in wen sie sich verlieben soll…

Es ist wirklich traurig, im Laufe dieser ohnehin nicht sehr originellen Geschichte, zu bemerken, aus wie vielen Ecken Frau Condie ihre Ideen ausgeliehen hat. Eine Gesellschaft, die fast ständig überwacht wird klingt zwar sehr nach dem Urvater der Dystopien, George Orwell, aber der Vergleich widerstreb mir zugleich. Denn ein Meisterwerk wie 1984 mit diesem Roman in einem Satz zu erwähnen, macht mir ein schlechtes Gewissen. Die Idee, dass man seinen Partner nicht selbst auswählen kann, ist erstens in vielen Ländern auch jetzt keine Absonderlichkeit und weil so wenig auf die tatsächlichen Kriterien bei der Auswahl eingegangen wird, konnte sich bei mir auch kein wirkliches Interesse bilden. Vor allem, weil die (übrigens perfekte, schöne und schlaue) Protagonistin Glück hat und ihren besten Freund ergattert.

Das Liebesdreieck, wenn man es so nennen will, ist praktisch eine Kopie von Suzanne Collins’ Katniss, Peeta und Gale. Mädchen, bester Freund und ein bisher nur wenig bekannter Junge, der aber schon lange ein Auge auf das Mädchen hat. Die Liebesgeschichte war schon bei den Hunger Games nebensächlich und zumindest für mich eher langweilig (mir war so egal, wer wie mit wem und warum!), aber hier eine bekannte und öde Geschichte in schlechtem Stil aufzuwärmen und sie zum Hauptthema zu machen, ist ein fataler Fehler.

“There’s Em,” I tell Xander, pointing, and together we weave our way through the blankets on the grass and say hello to our classmates and friends. Everyone is in a good mood, giddy with the novelty of the whole activity. Looking down, trying not to step on anyone’s blanket or in anyone’s food, I walk right into Xander, who has stopped.

Ally Condie beweist in diesem Buch keinerlei Sinn für Geschwindigkeit, Plot (Zeug, das passiert ist NICHT gleich Handlung!), Sprache oder Charakterentwicklung. Die Charaktere, viele sind es nicht, bleiben allesamt flach und furchtbar uninteressant und seltsam unemotional. Wer will schon über ein Mädchen lesen, das so viel besser ist als alle anderen, aber mit keinerlei Konflikt konfrontiert wird. Dasselbe gilt für die beiden “Helden”. Kein bisschen Persönlichkeit, nur strahlende Augen, die ihre Farbe wechseln, und hübsche blonde Haare.

Weiters benimmt sich gesamte Gesellschaft wie Schafe – und damit tue ich den Tieren noch Unrecht. Keiner stellt irgendetwas in Frage und das ganz ohne Gehirnwäsche. Wenn die Gesellschaft wenigstens ordentlich beschrieben würde, sodass man das Handeln der Charaktere nachvollziehen könnte, wäre das etwas anderes. Aber auch diese Mühe spart sich die Autorin zugunsten von langweiligen Jung-Mädchengedanken über das Küssen und ihr schönes Bankett-Kleid.

Um diesem Desaster eines Romans dann etwas Tiefe und Stil zu verliehen, fügt Frau Condie Gedichte von Robert Frost, Tennyson und Dylan Thomas’ Do Not Go Gentle Into That Good Night ein. Leider ist der Zusammenhang dieser Gedichte mit der Handlung ebenso wenig durchdacht wie das System dieser Dystopie selbst. Dass es etwa nur noch 100 Stück von jedweder Kunst gibt – Die Hunder Lieder, Die Hundert Gedichte, Die Hundert Bilder, etc. – hat absolut keinen Grund und wird mit einem wegwerfenden Satz erklärt: “Wie sollen sich Menschen denn sonst für etwas entscheiden in all dem Überfluss?”

Nach etwa drei Vierteln habe ich dann aufgegeben und beschlossen, dass mir meine Lesezeit zu kostbar für so einen Schulmädchenaufsatz ist. Das Ende habe ich dann noch überflogen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich absolut nichts verpasst habe. Kein Konflikt, keine Beziehung zu den Charakteren, kein Grund weiterzulesen.

Um zu einem Ende zu kommen: Dieses Buch ist für mich mangelhaft in so ziemlich jeder Hinsicht. Das Einzig schöne daran ist das Cover und auch wenn ein schönes Äußeres bei einem Buch toll sein kann, macht das die Geschichte hier keinen Deut besser.

PRO: Ich kann mir vorstellen, dass “Team-Edwart/Jacob/Peeta/Gale” T-Shirt tragende und lesetechnisch unbedarfte junge Mädchen vielleicht genug Fantasie haben, um in dieses Buch eine Geschichte hineinzulesen, die halbwegs interessant sein könnte. Mir ist das nicht gelungen (trotz Fantatsie-Überschusses).
CON: Anfängerfehler was Stil, Charaktere und vor allem Plot betrifft.
FAZIT: Grauenvoll!

BEWERTUNG: 1/10

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