Chuck Palahniuk – Damned

Now, Chuck is one of my favourite writers so I admit I’m usually biased when I pick up his latest book. But biased or not, the thing is, he’s just really good. Damned was a fun romp through Hell and features one of Chuck’s most memorable narrators. A chubby teenage-girl, daughter of rich Hollywood parents, with  more sense than is good for her.

DAMNED
by Chuck Palahniuk

published: 2011
by: Random House
pages: 247

My rating: 8/10

First sentence: Are you there, Satan? It’s me, Madison.

Madison Spencer is the chubby, intelligent daughter of rich actor parents and welcomes a different new sibling to the family every other week – usually some orphaned child from a starving country (Brangelina, anyone?). At age 13, she dies of an overdose of marijuana and finds herself in Hell, which she soon discovers to be a lot more than smoke and brimstone. She and a group of fellow Hell-citizens go on a journey past the swamp of aborted children, the sea of discarded sperm and the desert of toenail clippings.

As usual, Chuck’s latest novel is instantly quotable. The things Madison comes up with are as well put as they are true. Reading this will (again, this is a Chuck thing) make you laugh out loud while twisting a salted knife in your guts (speaking of Guts – read it!). Damned holds up a mirror to society, to our narcissistic life style, our delusional ideas that by eating “organic” we’ll make it okay to drive a car that eats gallons of fuel. Of course, as this is set in Hell, there’s thoughts about religion, belief, and Heaven and Hell. Having followed Chuck’s writing for some years now and reading every interview I can find, none of his ideas surprised me, though they did give me strange comfort.

All the characters are well-developed, even if they only appear shortly. One gets an instant sense of like or dislike for them. Here’s a little thing that bothered me: A group of characters is introduced in the beginning and continues along with Madison for a while. Around the last third of the book, they all seem to disappear, except for the occasional, one-line cameo. That in itself is not a problem, but it felt unexplained and strange to me.

The plot takes a while to pick up but once it does, your mouth will gape open constantly. It may not be surprising that Hell features its very own call center or that all sorts of demons share the place with the condemned human souls. But Chuck mixes dark, dark humor with that thimbleful of undeniable truth so well that the book leaves you with a sense of both enjoyment and relief. It offers food for thought and although I doubt it will be a big hit in ladies’ book clubs, if you like Fight Club, pick this one up. And all other books by Chuck Palahniuk, for that matter. He’s that good!

THE GOOD: Black humor, concise writing, hints and jibes at our world and society. Great fun!
THE BAD: Maybe a bit crude or harsh for sensitive people (or, I’m assuming, very religious ones).
THE VERDICT: What you saw in Fight Club is what you get with Chuck. Almost all of his books are huge recommendations.

MY RATING: 8/10

Connie Willis – Bellwether

Jeder, der in einem größeren Unternehmen gearbeitet hat, wird seinen Alltag hier wiedererkennen. Das Ausfüllen ellenlanger Formulare für die Bestellung von Büromaterial, peinliche Teammeetings und Mangel an wirklicher Unterstützung hat Connie Willis hier perfekt dargestellt.

Deutscher Titel: nicht auf deutsch erschienen
Erschienen: 1996
Seiten: 256
Erschienen bei: Bantam Books

Meine Bewertung: 7,5/10

Erster Satz: Hula Hoop (March 1958 – June 1959): The prototype for all merchandising fads and one whose phenomenal success has never been repeated. Originally a wooden exercise hoop used in Australian gym classes, the Hula Hoop was redesigned in gaudy plastic by Wham-O and sold for $1.98 to adults and kids alike.

Connie Willis gehört zu den angesehensten Science-Fiction Autorinnen unserer Zeit. Mit Blackout/All Clear hat sie erst kürzlich den Hugo Award gewonnen. Für mich ist Bellwether der erste Willis-Roman und obwohl er mit Science Fiction nur den Science-Teil gemein hat, macht er definitiv Lust auf mehr.

bell·weth·er  (ˈbɛlˌwɛðə)

1. (Life Sciences & Allied Applications / Breeds) a sheep that leads the herd, often bearing a bell
2. a leader, esp one followed blindly

Dr. Sandra Foster studiert Trends, vor allem solche, die nach kürzester Zeit wieder aussterben. In der Firma HiTek geht sie dem Grund der Popularität der Bob-Frisur in den 20er Jahren nach und entdeckt dabei zwar allerlei andere dämliche Trends, aber nicht, was den Wunsch nach einer Kurzhaarfrisur bei Frauen so plötzlich ausgelöst hat.
Als die absolut unübertrefflich inkompetente Assistentin Flip ihr auch noch ein Paket bringt, dass in eine andere Abteilung gehört, trifft sie auf Dr. Bennett O’Reilly, der erstaunlich immun gegen jeden erdentlichen Trend zu sein scheint. Und dank Flips Schusseligkeit braucht er Sandras Hilfe.

Dass sich hinter dieser Handlung eine so lustige Geschichte verstäckt, hätte ich nicht erwartet. Aber man lässt sich ja gerne positiv überraschen.
Connie Willis beschreibt auf köstliche Art und Weise nicht nur die wildesten Trends – Hula-Hoop und Kreuzworträtsel, spitze Schuhe, Blumenkinder und Stimmungsringe – sondern auch den Wahnsinn, in einer größeren Firma zu arbeiten. Ich musste durchgehend nicken bei den sinnlosen Teammeetings, dem Versuch, das Unternehmen in nichtssagende und lächerliche Akronyme zu verpacken und es so schwierig wie möglich zu gestalten, einfach nur seine Arbeit zu tun.

Das 50-seitige Formular zur Beantragung von Sponsionsgeldern oder das immerhin 20-seitige Formular für die Bestellung von Büromaterial hätten schon gereicht. Mir hat aber vor allem gefallen, dass bestimmte Formulierungen – wie “Unternehmensstruktur stärken” – offenbar universell bei allen Managern gut ankommen. Ähnliches kennen bestimmt viele Menschen aus eigener Erfahrung, egal in welcher Branche sie arbeiten.

Connie Willis erzählt von Sandras Versuch, Sinn in die Welt der Trends zu bringen und die Protagonistin sieht sich dabei nicht nur mit verrückten Traumhochzeits-Barbies und viel zu vielen Kaffeesorten konfrontiert, sondern vor allem mit der chaotischen Assistentin Flip. So nervtötend dieses Mädchen auch ist, ich habe unheimlich gerne von ihr gelesen. Im echten Leben hätte sie mich vermutlich in den Wahnsinn getrieben. Was für ein Gör! Aber genau das ist das Schöne an Literatur. Man kann Welten erkunden, die einem sonst verschlossen bleiben, und sich über die Isolierband tragende (als Modeaccesoire!), blauhaarige Chaotin amüsieren, die diesem Buch einen ganz besonderen Charme verleiht.

PRO: Amüsante, kurze Geschichte über Trends, Chaos und die Arbeit in einer größeren Korporation.
CON: Etwas überzeichnete Charaktere, eine sehr versteckte Liebesgeschichte.
FAZIT: Tolles Büchlein für Menschen, die gerne gegen den Strom schwimmen oder auch solche, die jeden Trend mitmachen. Noch besser: Für die Trendsetter, die dem Roman seinen Titel verleihen.

BEWERTUNG: 7,5/10

Julian Barnes – The Sense of an Ending

Seine Auszeichnung mit dem Man Booker Prize 2011 hat dieses stille, dünne Buch ohne Frage verdient. Julian Barnes erzählt ruhig von trügerischen Erinnerungen und einer Vergangenheit, die einen auch im hohen Alter noch einholen kann.

Deutscher Titel: Vom Ende einer Geschichte
Erschienen: 2011
Seiten: 150 (192)
Übersetzt von: Gertraude Krueger
Erschienen bei: Jonathan Cape (Kiepenheuer & Witsch)

Meine Bewertung: 8/10

Erster Satz: I remember in no particular order:
– a shiny, inner wrist;
– steam rising from a wet sink as a hot frying pan is laughingly tossed in it;
– gouts of sperm circling a plughole, before being sluiced down the full length of a tall house;
– a river, rushing nonsensically upstream, its wave and wash lit by half a dozen chasing torchbeams;
– another river, broad and grey, the direction of its flow disguised by a stiff wind exciting the surface;
– bathwater long gone cold behind a locked door.
This isn’t something I actually saw, but what you end up remembering isn’t always the same as what you have witnessed.

So beginnt Julian Barnes die Geschichte von Tony Webster, der als älterer Mann auf sein Leben zurückblickt. Genauer gesagt beschäftigt er sich mit einer ganz speziellen Geschichte seines Lebens, die in der Schulzeit ihren Anfang hatte. Tony und seine beiden engsten Freunde nehmen den neuen Schüler Adrian Finn in ihren Kreis auf. Zusammen diskutieren sie über Gott und die Welt, lesen die großen Philosophen und versuchen sich mit cleveren Kommentaren und Gedanken darüber was Geschichte ist zu übertreffen und ihre Lehrer zu beeindrucken. Adrian sticht dabei als außergewöhnlich intelligent heraus. Man kann nie ganz sicher sein, ob seine Einwürfe ernst gemeint sind oder ob er sich über einen lustig macht.
Tonys Leben nimmt seinen Lauf, die Freunde verlieren sich aus den Augen und jeder geht seinen eigenen Weg. Bis der alte Tony einen Brief von einem Anwalt erhält, in dem ihn unerwartet eine Erbschaft trifft. Nun muss er sich wieder mit den Geschehnissen seiner Jugend auseinander setzen und merkt, dass die Erinnerung nicht immer so zuverlässig ist wie man denkt…

Obwohl nur 150 Seiten dünn, bewegt Julian Barnes’ Buch beim Lesen ungemein. Es ist vor allem seine Fähigkeit, Sprache lebendig werden zu lassen, für jede Szene, jeden Dialog, die perfekten Worte zu finden und diese zu einem musikalischen Werk zu verweben, die mich überzeugt hat. Barnes hätte genausogut eine langweilige Geschichte erzählen können – in diesem Stil hätte ich sie kein bisschen weniger genossen.
Zum Glück und zur Freude der Leser ist Tony Websters Kampf mit den Erinnerungen und der Wahrheit aber höchst spannend zu verfolgen. Kann man sich je sicher sein, dass man Geschehnisse richtig im Gedächntnis behält? Oder die richtigen Details? Oder trügt einen das eigene Gehirn um unangenehme Dinge zu vergessen oder durch völlig andere Erinnerungen zu ersetzen?

Ich möchte hier nichts mehr zum Plot sagen, nur dass dieser für so ein leises Buch sehr spannend wird. Das Ende hält eine Überraschung bereit, die mich – ebenso wie Tony selbst – schockiert hat. We just didn’t get it!
Die wenigen Charaktere führen ein Eigenleben und sind gleichermaßen sympathisch wie unsympathisch. Schwarz-Weiß ist in diesem Buch niemand und besonders Menschen wie Veronica schienen mir so real, dass mir spontan Menschen aus meinem Bekanntenkreis eingefallen sind. Tony ist als Ich-Erzähler gleich sympathisch, auch wenn er sich hauptsächlich durch seine Passivität auszeichnet und von großen Taten nur träumt.

Jeder, der schöne Sprache zu schätzen weiß und der ein kurzes, kurzweiliges Buch lesen möchte, dass zum Nachdenken anregt, sollte hier zugreifen. Jetzt gleich!

PRO: Ein sprachliches Meisterwerk, interessanter Plot, lebendige Charaktere und anregende Ideen.
CON: Zur deutschen Übersetzung kann ich (noch) nichts sagen. Hier könnte aber viel verloren gehen.
FAZIT: Absolut lesenswert, auch für Leser, die sonst vor (von Kritikern) hoch gelobten Werken zurückschrecken.

BEWERTUNG: 8/10